Was sind wir ohne Menschlichkeit?

Mensch sein statt Roboter

Illustration: Claudia Löffelmann

Manchmal wirken wir wie Maschinen. Wenn wir uns begegnen und uns dabei nicht beachten. Wenn wir unseren Routinen folgen ohne uns und unsere Umgebung wahrzunehmen. Wenn wir nicht sehen, dass ein anderer neben uns unsere Hilfe braucht und nicht darum bitten kann. Wenn wir gefühlt wie Roboter agieren. Ohne Gesichtsregung. Farblos und grau. Als hätten wir vergessen, was wir sind – Menschen. Und ich vermisse sie – unsere MENSCHLICHKEIT.

Es gibt sie noch – Begegnungen zwischen Menschen

Doch hin und wieder begegnet sie mir. Und ich könnte tanzen vor Freude. Wenn im Krankenhaus Schwester Regine zum Beispiel für jeden Patienten ein paar persönliche Worte findet, die motivieren, aufmuntern und zum Lachen bringen. Oder die kleine Manja, die sich in der Fußgängerzone von der Hand der Mutter los reißt und dem obdachlosen Hotte ihre angebissene Semmel entgegen streckt. Wenn sich Mathelehrer Schulze auch nach Schulschluss noch mit Max zusammen setzt und ihm geduldig Bruchrechnung erklärt, weil dieser im Unterricht verzweifelt versucht, mitzukommen und gerade mächtig auf dem Schlauch steht. Wenn sich gleich drei Leute darum reißen, Frau Wagner zu helfen ihren Kinderwagen die Treppe zum Rathaus hinauf zu tragen. Wenn CDU-Gemeinderat Wimmer sich mit seinem jungen Gemeinderatskollegen Brammer zusammen setzt und ihm zeigt, wie man eine gezielte Unterschriftenaktion organisiert. Obwohl Brammer ein anderes Parteibuch in der Tasche trägt. Wenn Thomas morgens aus dem Haus kommt und, statt pünktlich ins Büro zu kommen, zunächst einem Nachbarn Starthilfe gibt, weil dessen Auto nicht anspringt. Wenn Bärbel der Dame aus dem Haus gegenüber etwas zu essen kocht, weil sie weiß, dass diese es nicht mehr kann. Wenn Frau Müller und Herr Schulze in der Sparkasse beherzt zugreifen und erste Hilfe leisten während Herr Yildim den Notarzt ruft, weil Opa Krause am Kontoauszugdrucker zusammen gebrochen ist.

Was genau ist Menschlichkeit?

Ist es Zeit opfern für andere? Heißt es abgeben müssen vom eigenen Hab und Gut? Oder ist Menschlichkeit das, was in jedem von uns steckt und uns verbindet? Ohne einander persönlich zu kennen. Ist es das, was uns Freude zurück gibt? Ein Lächeln? Beachtet werden von anderen, so wie wir andere beachten?

Menschlichkeit ist die besondere Art, wie wir anderen begegnen. Als Mensch. Human, gütig, freundlich, empathisch.Ohne dass es uns etwas kostet. Und ich finde, wir können nicht genug davon bekommen. Vom Mensch sein. Uns und anderen gegenüber.

Menschliche Grüße

Petra Carlile