Viel hilft viel – auch beim Versand von Bewerbungen?

Viel hilft viel – auch beim Versand von Bewerbungen?
Ich brauche schnell einen neuen Job!

Toni Schneller frustriert sein jetziger Job. Er hat schon mehrfach mit dem Chef über neue Aufgaben gesprochen, will andere Projekte, die ihn heraus fordern. Weil nach einem halben Jahr immer noch keine Resonanz seines Chefs erfolgte, fasst Toni den Entschluss: „Ich suche mir einen neuen Job. Je eher ich hier weg komme, desto besser!“

„Je mehr ich rausschicke, desto wahrscheinlicher eine positive Resonanz“

Toni kauft sich einen Bewerbungsratgeber mit Musteranschreiben und setzt sich vor das online-Branchenbuch. Der Lebenslauf ist aktualisiert, die Zeugnisse sind eingescannt. Na, dann kann es ja losgehen! Toni verfasst ein Anschreiben, das allgemein gültig ist, speichert sich das als Textdokument und sucht sich Mail-Adressen potentieller neuer Unternehmen.

„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Toni Schneller und gelernter Controller. Gern möchte ich Ihr Unternehmen unterstützen. Sie finden meinen Lebenslauf und meine Zeugniskopien im Anhang. Ich bin mir sicher, all Ihren Anforderungen zu entsprechen.
Ich würde mich freuen, wenn ich mich in einem persönlichen Gespräch vorstellen dürfte.
Ihr Toni Schneller“

Jedes Wochenende verschickt Toni über 150 Bewerbungen mit diesem Anschreiben. Das Branchenbuch ist lang. Er hält absichtlich das Anschreiben allgemein. Schließlich kostet Individualität bloß Zeit. Je mehr Bewerbungs-Mails verschickt werden, desto größer die Chance auf eine positive Antwort. Zack-zack-rausmailen ist Toni Schnellers Devise.

Motivationslose Bewerbungen bringen keine Resonanz

Ein weiteres halbes Jahr verstreicht und Toni ist am Boden zerstört. Wenn überhaupt jemand geantwortet hat, dann nur mit einer Absage. Mit hängenden Schultern schleicht Toni nach wie vor in das alte Unternehmen. „Keiner will mich.“, „Es gibt halt keinen Job für mich.“, „Es bleibt nur noch, sich bei Aldi an die Kasse zu hocken, um hier weg zu kommen.“

Tipps für Toni

Tonis bisherige Bewerbungsphase zeigt, wie wenig erfolgreich Massenbewerbungen ohne Tiefgang sind. Wer sich bewirbt, braucht:

  • Zeit und eine gute Vorbereitung
  • Das Wissen um die eigenen Stärken, Schwächen, Wünsche, Ziele und Werte
  • Ein Stück weit das Vermögen, sich in einen Personalentscheider hinein zu versetzen
  • Das Bewusstsein, dass „sich BE-WERBEN“ bedeutet, für sich selbst zu WERBEN
  • Treffende Argumente im Anschreiben, die dem Personaler klar machen, warum man sich bewirbt, warum man ausgerechnet in diesem Unternehmen arbeiten möchte und was man zu bieten hat
  • Aufschlussreiche Bewerbungsunterlagen inklusive Lebenslauf und Zeugnissen, aus denen sofort hervorgeht, wie sehr man für eine Aufgabe im bestimmten Unternehmen geeignet ist
  • Gewissheit, dass die Unterlagen einen perfekten ersten Eindruck hinterlassen (fehlerfrei, leicht lesbar, strukturiert, der Reihenfolge entsprechend, exakt formatiert)
  • Alternative Kontaktmöglichkeiten als nur die Adressen aus dem Branchenbuch
  • Netzwerk-Kontakte, die jemanden wissen, der vielleicht jemanden sucht
Wie bei allem – die gute Vorbereitung machts!

Wer sich gezielt auf die Bewerbungsphase vorbereiten möchte, dem lege ich die 10-Schritte-Bestandsanalyse ans Herz, die ich hier gern als pdf-Download zur Verfügung stelle. 10-Schritte-Bestandsaufnahme (pdf)

Diese Bestandsanalyse hilft, sich selbst vor Augen zu führen, über welche Ressourcen man bereits verfügt (oder welche Kenntnisse noch erworben sein wollen), worin die persönlichen Stärken liegen, was man nicht so gut kann, wie das künftige Unternehmen sein sollte, um erfolgreich arbeiten zu können u.v.m. Wer die 10 Fragen der Bestandsanalyse beantwortet hat, kann seine Bewerbungsunterlagen zusammenstellen, das Anschreiben aussagekräftig gestalten und ist gut auf viele Fragen vorbereitet, die im Vorstellungsgespräch gestellt werden.

Toni nimmt sich nun mehr Zeit für seine Stellensuche. Ihm ist klar geworden, dass Massenbewerbungen keinen Erfolg bringen. Schließlich kauft er keinen Mixer sondern sucht sich eine Arbeitsstelle, die ihn zufrieden macht und ausfüllt, zu der er jeden Morgen gern aufbricht, bei der er die meiste Zeit seines Lebens verbringt. Sie soll Spaß machen und ihm die Herausforderungen bieten, die er sich wünscht.

Viel Erfolg, lieber Toni Schneller und auch Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Stellensuche!

Ihre Petra Carlile