Personalauswahl auf die verstaubte Art?

Personalauswahl auf die verstaubte Art?

Viele Entscheider folgen bei der Personalauswahl einer Checkliste, um passende Kandidaten zu erkennen. Macht Sinn, was den Abgleich von Kenntnissen, Fähigkeiten und Berufserfahrungen betrifft. Schließlich soll das neue Teammitglied ein geplantes Stellenprofil ausfüllen und die anstehenden Aufgaben erfüllen können.

Der erste Eindruck und die Vorurteilsschubladen

Genauso werden äußeres Erscheinungsbild, Auftreten und die Reaktionen bei einem ersten Gespräch bewertet und innerlich abgehakt.

‚Aha, Anzug und dazu knallrote Chucks tragen. Ein aufdringlicher Kanarienvogel! Für eine Stelle im Management total unmöglich!‘ – Uuuuund zack! Aussortiert!

Auch beim nächsten Termin gibt es etwas auszusetzen. Dieses Mal eine Kandidatin, die statt „Guten Tag“ einfach nur „Hallo zusammen!“ in die Runde ruft. ‚… überhaupt kein Benimm, die Frau. Eindeutig schlecht erzogen. Kommt auf den Absagestapel. Nützt ja nichts.‘

Zum Schluss noch eine Absolventin aus Hamburg via Teams-Meeting. ‚Wie oft verwechselt sie noch den Genitiv mit dem Dativ? Eine typische Legasthenikerin. DANKE, wir melden uns bei ihnen….‘

Wer darf’s denn sein? Verhuschte Kopfnickende oder menschliche Wesen?

Und schwubs, nehmen die Kandidaten in den Schubladen „Kanarienvogel“, „schlecht erzogen“ und „LegasthenikerIn“ ungewollt ihre Plätze ein. Laut Kenntnissen, Fähigkeiten und Arbeitsweise hätten sie sehr genau gepasst, wohlgemerkt.

Wer weiß, vielleicht versetzen Kandidaten eins rote Chucks in fröhliche Stimmung beim Arbeiten? Was ist schlimm daran, farbenfroh seine Arbeit zu verrichten? Schließlich war das Schuhwerk nicht abgelatscht oder schmutzig, sondern funkelnagelneu und auch das übrige Erscheinungsbild war tadellos gepflegt und stilvoll.
Kandidatin zwei hat freundlich gegrüßt. Klar, etwas lockerer als vielleicht erwartet. Doch mit wie viel überholter Etikette müssen wir uns noch den Stock in den Allerwertesten schieben? Niemand arbeitet locker oder redet frei von der Leber weg in verharrender Stocksteifigkeit.
Tja, und was Kandidatin drei betrifft: Die Diplom-Chemikerin sollte in der Produktentwicklung forschen. In fünf Minuten knallt sie eine ganze Schultafel voll chemischer Formeln und singt noch im Schlaf das Periodensystem der Elemente vor. Wie sehr, zum Kuckuck, stört dabei die gelegentliche Verwechslung unserer Grammatikfälle? Mal abgesehen davon, dass die junge Frau verständlicherweise sehr nervös bei ihrem Jobinterview war.

Kriterien also besser nicht so genau nehmen? – Doch!

Nach wie vor wichtig ist der Abgleich zwischen vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten mit dem Anforderungsprofil. Selbstverständlich ist es ebenso bedeutsam, die sogenannten weichen persönlichen Eigenschaften zu kennen. Schließlich sollen die Teammitglieder zueinander passen und sich gegenseitig ergänzen. Dann ist es fabelhaft zu erleben, dass die jeweilige Person eine wahre Bereicherung für Team und Unternehmen ist.

Erfolgreiche Personalentscheider – wertfrei und zugewandt

Doch wird es Zeit, alte, verknöcherte Schablonen über Wortwahl und äußeres Erscheinungsbild über Bord zu werfen, wenn wir nicht zu den Ewiggestrigen gehören möchten. Besser doch, neugierig und wertfrei mit den Kandidaten persönlich ins Gespräch kommen: „Ihre Chucks sind sehr außergewöhnlich. Was hat sie dazu bewogen, diese heute zu tragen?“
Was kann dabei passieren? Wir lernen die andere Person besser kennen. Das ist es ja, worum es geht: Herausfinden, ob Kandidaten passen. Es genügt nicht, nur die harten Fakten abzuklopfen und Auftreten und äußeres Erscheinungsbild durch eine vorgefertigte Schablone zu pressen. Daran erkenne ich nicht den wahren Menschen vor mir.

Wer weiß, vielleicht wagen wir es ebenso, schon morgen eine knallbunte Fliege statt der mausgrauen Krawatte zu tragen. Oder bewusst eine grüne und eine blaue Socke zum Anzug zu wählen, ein buntes Band ins Haar zu winden oder das außergewöhnliche Brillengestell zu präsentieren. Wenn uns das während der Arbeit ein Lächeln ins Gesicht zaubert, ist der Tag doch schon gewonnen!

Viel Spaß beim bunte-Socken-Kauf!

Ihre Petra Carlile

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