Ich bin nicht teamfähig. Schlimm?

Ich bin nicht teamfähig. Schlimm?

Es kommt darauf an, was wir unter teamfähig sein verstehen. Während die einen beim gemeinsamen Erarbeiten neuer Ideen und Umsetzungen mit Teamkollegen zur Höchstform auflaufen, sind andere besonders kreativ und produktiv, wenn sie ihren eigenen Bereich selbst verantworten und allein arbeiten. Deshalb treten sie dennoch in Austausch mit ihren Kollegen und liefern wertvollen Input, der für alle anderen enorm hilfreich ist.

Jeder ist teamfähig

Behaupte ich. Weil ich glaube, dass in jedem von uns die Kompetenzen wohnen, konstruktiv und wertschätzend miteinander zu kommunizieren und uns für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Dass wir im Rahmen unserer Rolle und Arbeitsaufgabe sachlich statt persönlich diskutieren können und ein gesundes Maß an Demokratieverständnis mitbringen. Aus meiner Sicht sind diese Grundzüge erlernbar.

Was wollen Unternehmen, wenn sie Teamfähigkeit wünschen?

Nicht jeder verfügt über Führungskompetenzen. Zum Glück! Kein Team funktioniert, das aus lauter Alphatieren besteht. Doch setzen viele Bewerbende teamfähig sein mit Führungsverantwortung gleich. Manch andere fürchten, nicht ein Stück Eigenverantwortung zugesprochen zu bekommen, nur weil man auf Teamfähigkeit beharrt. Solche Missverständnisse lassen sich prima vermeiden, wenn Sie die Beschreibung eines Stellenangebotes konkretisieren, statt Standardflosklen zu verwenden.

Teamfähigkeit im Stellenangebot kann Bewerber vergraulen

Kein Bewerber weiß also beim Lesen eines Stellenangebots, was genau erwartet wird, wenn Teamfähigkeit geschrieben steht. Damit grenzen Unternehmen jedoch jene Fachleute aus, die lieber allein und dabei hervorragend arbeiten, doch vor dem Wort Teamfähigkeit eher zurückschrecken, weil sie sich eine andauernde und ständige Gemeinsamarbeiterei in einem lauten Großraumbüro vorstellen. So gehen Arbeitgebern wertvolle Fachkräfte durch die Lappen. Schade. Finden Sie nicht auch?

Allein arbeitend = introvertiert = Eigenbrötler?

Ha! Da haben wir mit Schwung die Vorurteilsschublade aufgerissen, gell? Nur weil sich unser Kollege Huber nicht gern in den Mittelpunkt stellt, sondern eher im Hintergrund agiert, kann er dennoch menschenzugewandt, freundlich und kollegial sein und mit seinen Ideen ins Schwarze treffen. Oder nehmen wir Frau Hoffmann, die rechte Hand des Chefs. Sie ist die geborene Macherin. Frau Hoffmann krempelt lieber die Ärmel hoch und setzt Worte in Taten um, statt in ewig langen Meetings herum zu diskutieren, bei denen sie das Gefühl hat, das Rad wird hier nochmal neu erfunden. Loyal und dennoch durchsetzungsstark hält sie dem Chef den Rücken frei, arbeitet ihm zu, übernimmt Teilbereiche und blockt schon mal Telefonate ab. Glauben Sie mir, dabei ist sie alles andere als introvertiert. Sie bildet das erfolgreich arbeitende Zweier-Team mit ihrem Chef.

Was trage ich zu einem Team bei?

Für alle sich Bewerbenden gilt ebenso, sich selbst zu hinterfragen. Begeistere ich durch gemeinsames Ideenfinden und reiße die Leute mit? Arbeite ich lieber im Hintergrund zu? Habe ich Entertainment im Blut und kann in Präsentationen Kunden überzeugen? Verfüge ich über hohe Führungskompetenzen? Oder benötige ich lieber nur einen Ansprechpartner und arbeite für mich allein, weil ich dann zur Höchstform auflaufe?

Das genau zu reflektieren vor Annehmen eines Jobangebotes verhindert, in eine Rolle gepresst zu werden, die uns womöglich nicht passt und mit der wir auf Dauer unglücklich sind. Auch wenn es sich dabei nur um ein Soft-Skill wie Teamfähigkeit handelt.

Ihre Petra Carlile