Schiet wat auf Personalgespräche!

Personalgespräche sind out, wenn sie nach einer Checkliste ablaufen

Pünktlich zum Jahresende rotieren Chefs und Abteilungsleitende, denn Personalgespräche stehen an. Zum Stress des Jahresabschlusses auch das noch. Weil die Personalabteilung das anmahnt. Weil es in vielen Firmen so üblich ist. Das Jahr Revue passieren lassen und Ziele fürs neue Jahr setzen soll abgehakt werden.

Miteinander sprechen, weil der Kalender es sagt

Schade, wenn es so ist. Wenn das Reflektieren auf Knopfdruck zu einem bestimmten Datum passiert. Und nicht, wenn jemand ein Anliegen hat. Oder Wünsche äußert. Oder während man miteinander arbeitet und ohnehin schon im Austausch ist.

Personalgespräche sind ein Mitarbeiterführungsinstrument. Was für ein unnahbares Wort! Genau wie die eingedeutschte Abkürzung HR für ‚Human Ressources‘. Der Mensch wird zur Sache. Wie gruselig!
Inzwischen halte ich von festgelegten Personalgesprächsterminen, gar nur einmal im Jahr, kein bisschen. Ja, ja, das sagt die eingefleischte Pesonaltante. Leider habe ich in vielen Beispielen gesehen, was aus verkrampft durchgeführten Gesprächen wird: nichts. Ich zweifle an der Ernsthaftigkeit eines Austausches, der nach einer Checkliste abläuft.
Werden die Mitarbeitenden stets nur im Personalgespräch wahrgenommen? Was ist in der übrigen Zeit? Sie sind an JEDEM WEITEREN TAG des Jahres präsent und geben Ihr Bestes! Was passiert mit ihren Anliegen, die fein säuberlich Jahr für Jahr auf der Checkliste vermerkt werden? Die meisten verstauben in der Schublade.

Normal miteinander sprechen funktioniert

Glücklicherweise gibt es in vielen Unternehmen eine völlig andere Art des Austausches. Alle geben sich untereinander immer wieder Rückmeldungen. Auch wenn eine Umsetzung verbesserungswürdig war. Es wird sich gegenseitig angespornt. Nicht nur Chefs die MitarbeiterInnen, sondern alle miteinander. Immer wieder. Und klar, Chefs erhalten ebenso Feedback. Ehrlich. Ohne Schleimspur. Weil das die Unternehmenskultur ist. Auch dieses Wort klingt nicht einladend. Doch können wir es sehr wohl positiv leben.


Indem wir uns auf Augenhöhe begegnen. Egal, welche Position wir innehaben. Wenn wir Anliegen und Vorschläge ernst nehmen und uns zeitnah darum kümmern. Während wir uns miteinander freuen, sobald ein Projekt zum gelungenen Abschluss gebracht wurde. Auf der Suche nach Ideen, die wir gemeinsam ertüfteln. Bei entstandenen Fehlern, zu denen wir stehen dürfen, weil sie willkommen sind, um daran zu wachsen. Wenn wir unsere Mitwirkenden und ihr Handeln verstehen und mehr von ihnen wissen als nur ihren Namen, sondern ihre Ansichten, ihre Ängste und Nöte kennen, die nichts mit deren Arbeitsaufgaben zu tun haben. Wenn uns klar ist, dass unser Team aus menschlichen Wesen besteht und nicht aus ausführenden Human Ressources.

Oft genug geschieht dann der Austausch, den die HR-Richtlinie vorschreibt, von allein. In der täglichen Zusammenarbeit. Also öfter als einmal im Jahr.

Was Führungskräfte dafür benötigen:

Ein angeborenes Interesse an Menschen und Zugewandtheit. Und die Erkenntnis, dass eine eingeschworene Gemeinschaft mehr bewirkt, Ziele erreicht und ein Unternehmen leichter durch stürmische Zeiten manövriert als autoritär erzwungene Loyalität. Viele Firmen leben das. Nach diesen Beispielen dürfen wir uns richten. Denn eines habe ich in den letzten Jahren erlebt: Es funktioniert nur durch wertschätzendes Miteinander, das auf Gegenseitigkeit beruht.

Personalgespräche sind Schnee von gestern, wenn sie nur als Instrument verstanden werden.

Ihre Petra Carlile

Hier gehts zum Führungskräfte-Coaching: https://www.carlile-coaching.de/business-coaching/fuehrungskraeftecoaching/