Selbstbewusst und durchsetzungsstark ohne Konjunktiv

Selbstbewusst und durchsetzungsstark ohne Konjunktiv

Gewohnheiten ändern geht nicht mit einem Fingerschnippen. Das dauert auch bei mir eine gewisse Zeit. Bewusst auf den Konjunktiv zu verzichten, hat einige Jahre gedauert. Echt! Ich finde, es hat sich gelohnt. Wieso ich eine Anti-Konjuktive bin? Weil ich festgestellt habe, wie unverbindlich, unkonkret und unterwürfig Formulierungen im Konjunktiv wirken. Egal ob im privaten oder beruflichen Bereich: wir tun uns einen großen Gefallen, wenn wir den Konjunktiv weitestgehend aus unserer Kommunikation streichen.

Ein Beispiel für: Wie wirke ich so unverbindlich wie möglich:
„Ich würde gern zu Deiner Party kommen.“ Ja, was denn nun, frage ich mich. Kommt er nun und ich lege noch ein Gedeck mehr auf oder kommt er nicht?

Oder jemand brütet über seinem Bewerbungsanschreiben und formuliert etwas in der Art wie: „Ich könnte mir vorstellen, dass ich Ihre ausgeschriebene Stelle sehr gut ausfüllen würde.“ Aha. Für mich klingt das, als weiß der Bewerber selbst nicht genau, ob er überhaupt auf die offene Stelle passt. Und wenn er sich selbst nicht sicher ist, dann weiß ich als Personalentscheider genau, was ich mit dieser Bewerbung mache: sie landet auf dem ABSAGE-Stapel.

Und ein Beispiel zur Unterwürfigkeit schlechthin:
„Würden Sie mir bitte eventuell Informationsmaterial zu diesem Thema zuschicken?“
Was, wenn der Gefragte auf Machtspielchen steht und einfach „Nein“ sagt? Mit „Bitte schicken Sie mir zu diesem Thema Informationsmaterial.“ wirke ich doch viel klarer und bleibe trotzdem höflich, oder?

Das eigene selbstsichere Auftreten lässt sich prima in einem Bewerbungsanschreiben untergraben. Der klassische und viel genutzte Schluss-Satz:
„… Ich würde mich freuen, wenn ich mich persönlich bei Ihnen vorstellen dürfte.“

Mein Weg zur selbstbewussten Kommunikation:

Zunächst habe ich bei all meiner schriftlichen Korrespondenz – egal ob per Post oder E-Mail, erst Korrektur gelesen und rigoros meine „würde“, „könnte“, „sollte“, „dürfte“ gestrichen und durch verbindliche Formulierungen ersetzt. Erst dann wurden sie verschickt. Das war Übung genug, dass es mir auch in Gesprächen, bei Vorträgen, während Telefonanten leichter fiel, konkret und verbindlich zu formulieren. Versuchen auch Sie es! Schauen Sie sich zunächst Ihre schriftlichen Korrespondenzen an und ersetzen Sie Sätze wie:

„Ich würde gern…“, „Ich könnte mir vorstellen, dass…“, „Ich würde mich freuen…“, „Könnten Sie mir sagen…“
durch
„Ich werde…“, „Ich bin mir sicher, dass…“, „Ich freue mich…“, „Bitte sagen Sie mir…“

und bleiben Sie verbindlich, selbstbewusst und unterstreichen Sie Ihr sicheres Auftreten. Der Knaller: Sie bleiben trotzdem höflich! Ganz ohne Konjunktiv!

Herzliche Grüße, Ihre Petra Carlile