Delegieren heißt, loslassen können und anderen vertrauen

Delegieren heißt loslassen und vertrauen

Paul Redlich hat ein gut funktionierendes Unternehmen aufgebaut. Ja, auch er weiß, was Selbständigkeit heißt: selbst und ständig. Immerhin gibt es viel zu tun. Kundenbeziehungen pflegen, neue Kunden gewinnen, die eigenen Produkte weiter entwickeln und vorne mitreden. Die neuen Kommunikationsmittel nutzen, immer erreichbar, immer online, immer up-to-date sein.

Schweißgebadet wacht Paul Redlich eines Nachts auf. Sein Herz rast noch und er fragt sich, ob es wirklich nur ein (Alb-) traum war. Seine ganzen Verantwortungsbereiche schwirrten ihm im Traum um den Kopf und flüsterten ihm zu: „… denk an den nächsten Facebook-Beitrag…“, „… telefoniere endlich den Interessenten hinterher – sonst gibt es keine neuen Aufträge…“, „… du brauchst neue Büromöbel – such endlich welche raus…“, „… das Entwicklerlabor braucht dein Input – jetzt ruf die endlich an…“, „…wann hast du das letzte Mal Mitarbeitergespräche geführt?…“, „… du musst neue Azubis suchen, sonst geht dir der Nachwuchs aus…“, „… bei deinem Firmenwagen ist der TÜV überfällig…“, „…das Archiv gehört aufgeräumt…“

Arbeitsberge türmen sich

Herr Redlich hört die Stimmen noch sehr deutlich, während er auf der Bettkante hockt und über den Traum nachdenkt. Als Blödsinn kann er das nicht abtun. Tatsächlich ist viel zu viel liegen geblieben und er weiß nicht, wie er diese Berge abarbeiten soll. Morgens ist er der Erste, abends der Letzte in der Firma. Und – ganz ehrlich – er ist am Limit. Freude, so wie vor 20 Jahren mit kleinerer Mannschaft, macht ihm seine Selbständigkeit schon lange nicht mehr. Er fühlt sich ausgelaugt und kraftlos. Was tun? Hinschmeißen? Firma verkaufen? Vielleicht ist er einfach nur zu alt für diesen Stress? Frau Redlich hat ihren Paul oft ermahnt. „… Paul, gib doch endlich Arbeiten ab. Du hast doch fähige Leute bei Dir.“ Unwirsch ist er seiner Frau immer über den Mund gefahren „… die machen das nicht so gut wie ich! Die wissen doch nicht, was es heißt, eine Firma zu leiten! Wenn die alles machen, werde ich eines Tages ausgebotet und dann hab ich nichts mehr zu sagen!…“

Wem kann ich was delegieren?

Jetzt denkt er noch mal über die Ratschläge seiner Greta nach. Er tappst in die Küche und setzt sich mit Papier und Stift hin. Wem könnte er welche Aufgaben überlassen? Hm, der Meier aus der Buchhaltung kann auch den Rohstoffeinkauf übernehmen. Frau Schmidt, seine rechte Hand, hat eigentlich mehr drauf als nur die Sekretärin sein. Nur hat er sie bisher nie gelassen. Ob sie sich um die neuen Büromöbel kümmern kann? Und kann man den Werbemenschen, der um die Ecke sein Büro hat, nicht auch mit dem ganzen Social Media Zeugs betrauen?

Delegieren – Kontrollverlust oder mehr Freiheit?

‚Wenn ich das durchziehe, was bedeutet das für mich?‘ wägt der Paul ab.‚Ich könnte die Kontrolle verlieren. Die Mitarbeiter könnten Dinge entscheiden, die nicht in meinem Sinne sind. Die Kunden könnten unzufrieden werden…‘. Diese Vorstellungen machen ihm Angst.

‚Was aber, wenn ich meinen Mitarbeitern was zutraue? Ich komme dann pünktlich aus dem Büro raus. Ich habe mal wieder ein freies Wochenende. Greta freut sich bestimmt, wenn ich mit ihr abends hin und wieder ins Theater gehe. Wahrscheinlich gefällt das den Mitarbeitern, wenn sie Verantwortung tragen dürfen? Ich muss nicht Themen umsetzen, die so gar nicht mein Fachgebiet sind. Hm…‘

Paul Redlich ist noch nicht sicher. Es dauert noch weitere 3 Monate und gibt noch ein paar Nächte mit wirren Träumen, bis er beginnt, Arbeit abzugeben. Er lässt zunächst im Kleinen los und betraut Frau Schmidt damit, Angebote für neue Büromöbel einzuholen.

Bereit zu delegieren? Nicht nur den Einkauf eines neuen Schreibtisches?

Ihre Petra Carlile


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