Wie finde ich meine Berufung?

Wie finde ich meine Berufung?

Nicht nur junge Absolventen, welche Schule oder Studium beenden, sind auf der Suche nach ihrer Berufung. Suchend sind ebenso manch jahrelang Berufstätige, die bemerken, dass sie nicht oder nicht mehr zufrieden sind mit dem, was sie tun. Schon mal gut zu wissen, was man NICHT MEHR will. Doch WAS stattdessen?

Der Zugang zu den Träumen unserer Kindheit

Bei der Ideenfindung frage ich meine Klienten oft nach den Berufsträumen aus ihrer Kindheit. Klingt albern? Feuerwehrmann ist so klischeehaft?

Selbst wenn wir sagen: „Och nö, der Traum vom Feuerwehrmann oder der Tierärztin oder Astronautin hat mich später nicht mehr vor Begeisterung vom Hocker gerissen“, offenbaren die frühen Berufsträume möglicherweise unser Wesen, unsere Persönlichkeit.

Waren wir glückselig, wenn wir anderen halfen? Oder verwandelten wir uns in mutige Abenteurer, stets neugierig auf neue, unerwartete Ereignisse? Haben wir bei Begegnungen mit Tieren uns selbst wieder gefunden? Gab es energiegeladenen Bewegungsdrang, der uns abheben ließ? Oder hatten wir schon damals ein außerordentliches Gespür für die bewegten Farben und volltönenden Melodien der Kunst?

Postkarte aus Bali – ein Kinderbuch für Erwachsene

Berufsträume aus der Kindheit
Naomi Susan Isaacs: Postkarte aus Bali – Ein Kinderbuch für Erwachsene

Naomi Susan Isaacs Buch „Postkarte aus Bali – ein Kinderbuch für Erwachsene“ hat mich wieder sensibilisiert für die Träume aus unserer Kindheit. Ein magischer Wald mit seinen darin lebenden, bezaubernden Gestalten ermöglicht es Kindern einer Grundschulklasse, den eigenen Traum zu erleben. Einen Traum, in dem jedes Kind seinen eigenen Wünschen begegnet. Der den Blick von behindernden Schwächen zauberhaft lenkt auf ebenso vorhandene große Stärken, die in jedem von uns wohnen und diese in Szene setzt. Sich selbst wahrnehmen, wie man ist und sich genau so mögen, ist eine wunderbare Schlussfolgerung aus jedem geträumten Walderlebnis. Gepaart mit der Tatsache, dass wir unsere Umwelt in einem ebenso neuen Licht sehen, wenn wir zu uns selbst und unseren Wünschen stehen. Na klar, bei den Kindern spiegelte sich deren Traumerleben im späteren Erwachsensein wieder. Sie ergriffen Berufe, die ihrer Persönlichkeit entsprachen.

Sich selbst erkennen

Lernen wir, wieder zu träumen! Nicht jeder von uns hat einen magischen Wald zur Verfügung. Vielleicht können wir in unserer Erinnerung wieder erspüren, wie es sich in unserer Kindheit anfühlte, uns in unsere Träume fallen zu lassen. Wie von selbst öffneten sich die Türen zu unserer Phantasie und unsere enormen kreativen Kräfte verliehen uns Flügel. Beide, Phantasie und Kreativität, haben bei Kindern eine ganz eigene Energie. Sind sie doch unbeschnitten und existieren ohne die Zwänge der Vernunft.

Ich höre bereits Proteste. „Moment mal, Vernunft ist sinnvoll. Gerade in Berufsfragen. Es geht schließlich um die Existenzsicherung. Und Karriere plant man nicht aus simpler Träumerei heraus!“

Vernunft zu passender Zeit

„Wenn“ und „Aber“ setzten unseren Träumen zu.

Stellen wir die Vernunft VOR das umfassende Hineinfühlen in unsere Wünsche, ersticken wir unsere Träume und Visionen im Keim. Geben wir ihr, der geradlinigen, wachsamen Vernunft zu verstehen, dass wir ihr später Gehör verschaffen, funkt sie uns nicht ständig dazwischen, wie sie es bisher tat mit all ihren Argumenten von Existenzsicherung bis hin zu unserem fortgeschrittenen Alter.

Walt Disneys Kreativitätsstrategie

Mit einer Meckerstimme im Hintergrund wird es nichts, sich zunächst mit den eigenen Wünschen zu befassen. Kennen Sie Walt Disneys Kreativitätsstrategie? Sie separiert den TRÄUMER, REALISTEN und konstruktiven KRITIKER.

Sind wir in der kreativen Schaffensphase, bleiben Realist und konstruktiver Kritiker vor der Tür. Genau genommen in ihren Räumen. Erst nacheinander durchwandern wir diese Räume. Nie jedoch gleichzeitig. Keiner der drei funkt einem anderen dazwischen. So kann der Traum in all seinen Farben, mit der ihm gebührenden Zeit, geträumt werden. Erst danach gibt es eine sachliche Analyse, was nötig ist, um diesen wunderbaren Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Genau wie im Anschluss konstruktives, kritisches Argumentieren aufzeigt, woran zu denken ist und welche Hürden es gilt, zu meistern.
Selbst wenn es jetzt so scheint, als hätte der Kritiker, so konstruktiv er auch war, den Riegel vorgeschoben vor unsere Träume und Wünsche, wird keinesfalls die weiße Fahne geschwungen! Es gilt herauszufinden: Wenn es so nicht möglich ist, auf welchem anderen Weg können wir unseren Traum leben?

Obwohl schon oft zitiert, schließe ich dennoch gern mit Walt Disneys Worten: „If you can dream it, you can do it.“

Lernen wir wieder, zu träumen!

Ihre Petra Carlile

Kontakt zur Autorin Naomi Susan Isaacs über Xing, linkedIn oder ihre Website

Beitragsillustrationen: Claudia Löffelmann
Foto: Petra Carlile